»Wir haben der Kirche etwas zu geben«

Marienschwester M. Anastasia Brand über das Profil der Nacht des Heiligtums und die Vision, das Liebesbündnis noch stärker in die Weite zu künden

Schwester M. AnastasiaNight oft the Shrine: Was ist bei der diesjährigen Nacht des Heiligtums anders als in den letzten Jahren? Wo hat sich etwas weiterentwickelt?

Sr. M. Anastasia: Zunächst einmal hat es sich in der Vorbereitung weiterentwickelt. Das heißt, wir hatten ein top Kernteam und in der Helferwoche einen größeren Helferstab. Dazu auch erstmals einen Helferkoordinator und einen Kernteamsprecher, der seine Sache super gemacht hat. Die Vorbereitung war dadurch viel entspannter. Zudem haben wir uns die Reflektion vom letzten Mal gut angeschaut und einzelne Punkte verbessert. Dadurch konnten wir in diesem Jahr in der Vorbereitung anders vorgehen. Außerdem war die Resonanz im Vorfeld der Nacht des Heiligtums schon so, dass sich die Leute fast entschuldigten, wenn sie nicht kommen konnten. Es ist eine Veranstaltung geworden, wo es heißt, da gehe ich hin. Die Veranstaltung hat einen Namen bekommen. Das spürt man. „Nacht des Heiligtums“, das ist ein Treffpunkt, da sehen wir uns.

Welches Feedback gibt es von außerhalb Schönstatts zur Nacht des Heiligtums?

Ganz außerhalb der Bewegung meinen Sie?

Ja, von Leuten, die zum ersten Mal da waren, oder von welchen, die nur am Rande mitbekommen haben, dass es das gibt.

Also von ganz außen kann ich jetzt nicht so viele Echos bringen. Ein paar Einzelstimmen kann ich aber nennen: Zum Beispiel war letztes Jahr eine junge Gemeindereferentin da. Sie hat als Höhepunkt dieses Bündnis empfunden, das man schließen kann, um eigene Verantwortung abzugeben, damit diese von Gott übernommen wird. Dass gerade dieser Punkt für diese Person den Höhepunkt darstellte, fand ich wirklich interessant. Ansonsten habe ich mitgekriegt, dass Leute sagen „Das scheint gut zu sein“. Aber ich habe, wie gesagt, nicht viele Statements von außen. Das liegt aber auch daran, dass wir den Kreis über Schönstatt hinaus erst allmählich und ganz strategisch weiten. Das ist ein ganz neuer Schritt, dass wir sagen: Wir wollen die Veranstaltung weiten über die Kreise Schönstatts, über die Jugend Schönstatts, über die jungen Erwachsenen Schönstatts hinaus.

Und wie funktioniert das?

Meine persönlichen Vorstellungen gehen dahin, dass wir über Jugendseelsorger in Gemeinden verstärkt Werbung machen wollen, dass wir gezielt Jugendverbände und andere Jugendgemeinschaften einladen. Zudem sollten wir auch vermehrt unsere Botschaft nach außen transportieren, um zu zeigen, dass das hier auch für Leute attraktiv ist, die ganz neu kommen.

An wen richtet sich denn nun eigentlich die Nacht des Heiligtums? Auch an komplett Kirchenferne? Oder ist es eine Veranstaltung für Insider?

Es ist auf jeden Fall keine Veranstaltung nur für Insider. Aber zunächst einmal ist es eine Veranstaltung, wo wir noch daran sind, das Profil zu schärfen. Das ist neu in der Art, dass man sich jedes Jahr am Urheiligtum als Schönstattjugend und junge Generation von Schönstatt trifft und feiert. Das heißt, die ersten Schritte für eine solche Veranstaltung sind erstmal, die Sache zu profilieren. Dabei geht es darum, eine schöne Form zu finden, wie man das Liebesbündnis jugendgemäß feiern und vor allem auch ausdrücken kann. Erst danach, in einem zweiten Schritt kann ich eine Botschaft nach außen transportieren, wenn das Eigene eine Form hat.

Das Liebesbündnis stellt ja das Innerste dar, das Zentrum der schönstättischen Idee. Könnte die Botschaft des Liebesbündnisses für einen kompletten Neueinsteiger nicht eine Überforderung bedeuten? Ganz zu schweigen von der schönstättischen Begrifflichkeit, an der hier nicht gespart wird.

Es geht darum, wie wir die Botschaft vom Liebesbündnis transportieren. Daran müssen wir gut arbeiten. Wenn wir unser Liebesbündnis in seiner Bedeutung richtig fassen und verstehen, ist es so weit und universal und keineswegs nur etwas „Schönstattinternes“. Die Erneuerung des Liebesbündnisses am Urheiligtum stellt ja auch den Kern in der Nacht dar. Da trifft sich die Jugend, um ihren Taufbund zu erneuern. Das geschieht so schlicht und so niederschwellig, dass da jeder neue mit rein kann, dass jeder Neue praktische merkt, das ist eine Bereicherung, ein neuer Impuls für meinen Glauben. Wenn wir das schaffen, das Liebesbündnis so in der Weite zu künden – und damit aber alle reinzunehmen – und den Weg mit Maria als etwas tolles, attraktives und total bereicherndes für mein Leben aufzuzeigen, dann hat das Liebesbündnis in der Kirche seinen richtigen Platz. Dann ist es nicht etwas, was nur uns ausmacht, sondern über die Grenzen Schönstatts hinaus Kraft und Dynamik entfaltet. Und dann geschieht wirklich Erneuerung – in
die Kirche hinein.

Gelingt das bisher, was glauben sie?

Ansätze, wir sind auf dem Weg dazu. Das wollte ich vorher mit der jungen Frau, der Gemeindereferentin, verdeutlichen, die dann intuitiv gesagt hat: Das Bündnis war für mich das Schönste. Dieser Augenblick: Ich gebe das meine ab, meine Probleme, meine Verantwortung, und bekomme die Zusage, da sorgt jemand für mich. Das war für mich der tiefste Augenblick in dieser Nacht des Heiligtums. Das ist Bündnis. Das ist Liebesbündnis.

Es soll Leute in der Kirche geben, die dagegen sind, dass die Eventkultur jetzt auch in der Kirche Einzug hält. Was entgegnen sie denen?

Das kommt darauf an, was man mit Eventkultur meint. Auf jeden Fall ist klar, durch so ein Event, d.h. durch eine solche Veranstaltung mit einer gewissen Größe und Dichte, ist noch mal eine andere Art von Auffangen Jugendlicher möglich. Das wäre doch dumm, wenn man diese Chance nicht nutzt. Da kommt eine Ebene ins Spiel, wo es leichter ist, ein Erlebnis zu schaffen – ein Glaubenserlebnis – und etwas im Gefühl zu verankern, als in einer kleinen Gruppe vor Ort. Es braucht solche Begegnungen, das Erlebnis von vielen, von einer starken Gemeinschaft, gerade, weil man heute oft so alleine steht. Manchmal ist so ein Event auch ein echter Anstoß, wo ich wieder in etwas reinkomme. Und dann folgt natürlich der Anspruch der Nacharbeit. Der darf nicht fehlen. Ansonsten ist das etwas, was stehen bleibt. Die Frage ist, wie bekomme ich das in meinen Alltag rein. Es muss immer beides zusammenkommen.

Es scheinen jedes Jahr mehr Teilnehmer zu werden, wenn ich richtig informiert bin. Welche Vision haben sie für die Nacht des Heiligtums in fünf Jahren?

Dass wir uns verdoppeln. Mindestens. Das ist ja dann 2014. Dann wünsch ich mir, dass das Urheiligtum die lebendige Mitte von einer starken Jugend und einer jungen Kirche ist. Dass sich die Jugend dort sammelt, aber auch, dass das Urheiligtum eine geistliche Mitte ist über Schönstatt hinaus. Ein Ort, wo eine junge Kirche erlebbar ist! Noch mal: Es ist wichtig für jede Gemeinschaft, jede Bewegung, dass man das in die Kirche hineingibt, was einem geschenkt ist. Nicht jeder das Gleiche, sondern jeder das Seine! Dann wird Kirche bunt. Dann wird sie der Vielfalt des Lebens auch gerecht. Das ist ganz wichtig. Es gibt so eine Vielfalt, und der eine findet das, was für ihn passt, genau hier. Und der andere findet es da. Und deswegen: Mutig unsere Botschaft künden, in einer Sprache, die einfach ist, die man versteht. Wir haben der Welt, der Kirche etwas zu geben.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.


Das Interview ist erschienen in der Festival-Zeitung “Night of the Schrine”, die hier zum Download bereit steht.


Quelle: Night of the Shrine, Nummer 2, 22./23.August 2009
Link: http://www.nachtdesheiligtums.de/idee/wir-haben-der-kirche-etwas-zu-geben