Das Größte ist möglich

Nacht des Heiligtums: Schlangestehen für die eine Minute bei IHM und bei ihr

Es ist das erste Mal, höchstwahrscheinlich, und darum muss es die Jugend sein, die es tut, jetzt, kurz nach Mitternacht, mitten in der Nacht des Heiligtums. Eben hat das Glöckchen geläutet zur Erneuerung des Liebesbündnisses für die Jugend der Welt. Und nun rücken sie Zentimeter um Zentimeter vor Richtung weit geöffneter Heiligtumstür. Da, wo die normalen, die üblichen (Bündnis-)feiern aufhören, da gehen sie weiter: “Ins Heiligtum lädst du mich ein.” Über eine Stunde dauert es für die Letzten. Und das Leuchten in den Augen und auf den Gesichtern der Wartenden kommt nicht nur von den Strahlern, die das Urheiligtum in helles Licht tauchen…

Erstmals so, hier, an diesem Ort, und doch so vertraut. “Heute Nacht muss sich das Urheiligtum so geliebt fühlen wie das Heiligtum in Tuparenda, wenn am 18. Oktober Tausende hineinpilgern”, sagt eine junge Frau, die dort war. Dies ist der Ort, der reale Ort des Liebesbündnisses. Über zehntausend Kilometer entfernt, in San Juan, Argentinien, entgeht ein Auto mit Jugendlichen, die von einem Treffen der Schönstattjugend nach Hause fahren, nur knapp einem verheerenden Unfall. Als die jungen Frauen endlich daheim sind, macht eine den PC an und bekommt Gänsehaut. Es war genau die Stunde, in der die Jugendlichen in Schönstatt das Liebesbündnis auch für sie erneuert haben und begannen, ihre “Bündnisbriefe” persönlich ins Urheiligtum hinein zu tragen. Spüren Sie den lieben Gott?, hat Pater Kentenich einmal eine Schwester gefragt, als es ganz still wurde. In dieser Nacht am Urheiligtum spürt man ihn in den Liedern, in den Lichtern, in den Gesichtern. Und darin, dass man sich gar nicht wundert, dass es wirklich den ganzen Abend nicht einen Tropfen geregnet hat.

Leichtigkeit

Die dritte “Nacht des Heiligtums” hat an diese Wochenende gut 380 Jugendliche aus ganz Deutschland angelockt. Mit Gebet und Party machten sie die Nacht zum Tag. Mit der Nacht des Heiligtums möchte die Schönstattjugend das Erlebnis der Vigilnacht des Weltjugendtags jedes Jahr neu lebendig werden lassen. Mittelpunkt ist dabei das Urheiligtum, und zu dem sind sie kurz nach 22.00 Uhr aufgebrochen. Die Leichtigkeit beeindruckt: “Kerzen werden verteilt, der Zug Richtung Heiligtum beginnt, Lieder werden gesungen, besinnlich ruhig, von eben jenen Leuten, die sich einige Minuten zuvor noch zu ‚Father Abraham’ wild verrenkt haben”, schreibt Natascha Häutle in der Morgenzeitung, die über Nacht entstanden ist. “Ein Strom von rotbeplastikten Kerzen an dunken Gestalten zieht durch Schönstatt, auf drei Stationen zum Urheiligtum, Fürbitten, Gesang, Gedanken zum Thema. Kälte kriecht in die Kleidung und die einzige Wärme kommt von der kleinen Kerze in jeder Hand…”

An den drei Stationen – beim Heiligtum der Marienau, an der Überdachung mit den Votivtafeln, am Kreuz auf dem Pilgerplatz – werden Alltagssituationen und –erfahrungen angesprochen und ins Gebet gebracht: realistisch, knallhart zum Teil, aber voller Zuversicht. High, higher, highest: es ist ein Sehnsuchts-, ein Hoffnungs-, ein Verheißungsweg. Verheißung bekommt Namen und Gesichter am Kreuz auf dem Pilgerplatz: wo in einem Halbkreis die Bilder von Menschen stehen, die diesen Weg im Liebesbündnis gegangen sind: die Helden dieser Jugend, wie Josef Engling, Schw. Emilie, Franz Reinisch, Mario Hiriart, Barbara Kast, Pater Kentenich. Größtes ist möglich. Mit der Leichtigkeit des ganzheitlichen Glaubens.

“Christus, wir rufen Dich in die Mutlosigkeit unserer Tage, in die Angst vor der Zukunft , in die Zweifel der Nacht…”

Mit Blickrichtung Heiligtum sind Bänke aufgestellt und ist ein Aufbau gerichtet für das Bild der Gottesmutter und das Allerheiligste. Ob die Jugendlichen aus der Diözese Getafe, Spanien, die vor dem Weltjugendtag 2005 hier ihre beeindruckende Anbetungsvigil hielten, geahnt haben, dass die Schönstattjugend es nun bei der Nacht des Heiligtums auch so macht?

Lange Stoffbahnen führen ins Urheiligtum hinein – und von dort aus kommt die Gottesmutter in einem großen Bild den Jugendlichen gewissermaßen entgegen, von dort aus kommt Jesus in der Eucharistie wirklich und wahrhaftig zu ihnen.

An die 400 Jugendliche, Priester, Marienschwestern und einige ältere Zaungäste vor dem bunt angeleuchteten Urheiligtum verbinden sich anbetend mit Jesus Christus: “Christus, wir rufen Dich in die Mutlosigkeit unserer Tage, in die Angst vor der Zukunft , in die Zweifel der Nacht…”

Alle sind eingeladen, einen Brief zu schreiben an Maria, ihren ganz persönlichen Bündnisbrief. Was bringe ich ein? “Hier hat am 18.Oktober 1914 etwas ganz Neues begonnen. Hier, vom Heiligtum aus, fließt ein Gnadenstrom durch alle Kontinente hindurch…” Dann läutet die Glocke des Heiligtum, und die Jugendlichen schließen hier, verbunden mit jungen Menschen von Polen bis Puerto Rico, von Australien bis Argentinien, die per Webcam live dabei sind, das Bündnis der Liebe für die Jugend der Welt.

Feuer in der Nacht

Es dauert lange, bis die letzten aus der Schlange im Urheiligtum waren. Währenddessen finden sich die, die schon dort waren, am Englingfeuer ein, das immer heller wird. Sie alle haben eine Erinnerung an diese Nacht mitgebracht aus dem Heiligtum – einen Holzbaustein mit dem Schriftzug “High, higher, highest” J.K., NdH 2008. Die drei jungen Frauen aus Kroatien, die in dieser Nacht des Heiligtums ihr Liebesbündnis schließen möchten, haben länger warten müssen, als gedacht – bis die Schlange sich auflöst und das Urheiligtum frei ist. Aber das macht nicht, denn es ist Nacht des Heiligtums.

“Es war alles krass, die Workshops, die Musik, die Party”, so ein 23-jähriger. “Aber das absolute Highlight war für mich, in der Nacht diese eine Minute im Urheiligtum vor dem Allerheiligsten zu knien und meinen Beitrag anzubieten für eine bessere Welt.”

Autor: Schwester M. Kornelia Fischer
Quelle: www.schoenstatt.de
Datum: 26.08.2008
Link: http://www.nachtdesheiligtums.de/ruckblick/nacht2008/das-grosste-ist-moglich