»Gott ist der Trainer, er hat den Plan vom Spiel«

Stephanie Gerber über Ihren Job als Kernteamsprecherin, über Fußball und über die Zukunft Schönstatts

Stephanie Gerber ist »Kapitän« des Kernteams 2010Du hast Dich beim ersten Kernteamtreffen recht überrascht gezeigt, zur Teamsprecherin ernannt worden zu sein. Wie hast Du Dich inzwischen in diese Rolle hineingefunden?

Das stimmt. Da komme ich frisch in ein Team und werde gleich mal Kernteamsprecherin! Das war sehr überraschend. Aber mittlerweile fühle ich mich richtig wohl. Es macht einfach Spaß, in diesem Kernteam zu arbeiten, Diskussionen zu moderieren, die Treffen vorzubereiten, usw. Bisher kamen auch noch keine Beschwerden; ich wurde noch nicht abgesetzt, …. Das passt also alles ganz gut ;-)

Wo liegen Deine Aufgaben und was ist Dir bei den Vorbereitungen besonders wichtig?

Ich bin die Vertretung des Teams nach außen und Kontaktstelle zwischen den Schwestern und Patres einerseits und den jungen Erwachsenen andererseits. Dann liegen natürlich die einzelnen Kernteamtreffen in meiner Verantwortung, die ich vorbereite und dann auch leite. Zwischen den einzelnen Kernteamtreffen bleibe ich in Kontakt mit den Teams. Besonders wichtig ist mir, dass die Atmosphäre im Team stimmt. Deshalb haben wir bei den Treffen den Samstagabend für uns als Team reserviert. Da wird nicht mehr gearbeitet, sondern wir haben eine gemeinsame Gebetszeit im Urheiligtum und anschließend gibt es was zur Entspannung. Einmal haben wir gemütlich Fondue gegessen, ein anderes Mal sind wir nach Koblenz in eine Bar gegangen. Ich finde es wichtig, dass nicht nur gearbeitet wird, immerhin opfert ja jeder sein freies Wochenende.

Du hast bereits 2005 das Internationale Jugendfestival mit vorbereitet. Warum engagierst Du Dich fortwährend für große Schönstatt-Aktionen?

Weil mir das Urheiligtum so wichtig ist und beide Veranstaltungen – das Jugendfestival und das daraus entstehende Projekt NdH – haben dieses im Mittelpunkt. Ich möchte anderen ermöglichen, dieses Ort kennen und schätzen zu lernen, so wie ich das getan habe, und von diesem unscheinbaren Ort aus ihr Leben und ihren Alltag zu gestalten. Denn da passiert was und man geht anders zurück, als man gekommen ist.

400, 500, 600 – Glaubst Du, die Teilnehmerzahl wird auch in diesem Jahr wieder wachsen? Bei wem stößt die Nacht des Heiligtums bereits auf großes Interesse – und wer sollte unbedingt auch noch dafür begeistert werden?

Die NdH ist in der SMJ und bei den Mädchen/jungen Frauen schon zu einem festen Termin geworden. Das ist schon ein wichtiger Schritt. Aber in der Umgebung rund um Schönstatt, in Vallendar und Koblenz, gibt es noch einen großen Nachholbedarf. Immerhin soll die NdH keine reine Schönstatt-Veranstaltung sein, sondern ein Wochenende, zu dem ich auch meine Freunde aus der KjG, die Ministranten, Studienkollegen, etc. mitbringen kann. Da muss jedoch noch viel getan werden und jeder darf mithelfen, dass dies gelingt. Besonders freut es mich auch, dass die Schönstattjugend im europäischen Ausland immer wieder Interesse zeigt: Italien, Polen, Österreich, Schweiz. Es wäre schön, wenn immer einige ausländische Jugendliche auch vertreten wären.

Wenn das Kernteam eine Fußballmannschaft wäre: Welche Positionen sind gut besetzt – und an welchen Stellen sollten die Teammitglieder noch kräftig trainieren?

Eine gewagte Frage für eine weibliche Kernteamsprecherin. Willst du meine Fußballkenntnisse testen? ;-) Ich kann es ja mal probieren.

Unsere beiden Stürmer sind das Programm- und das Liturgieteam. Ihre Arbeit ist die, die für die Teilnehmer am offensichtlichsten sein wird. So ähnlich ist es ja schon auch beim Fußball, wo das Ergebnis zählt. Da kann die Defensive noch so stark sein und jegliche Torchance der Gegner verhindern, wenn vorne nicht die Bälle ins Tor kommen, bringt das alles nichts. Wir können die beste Technik und luxuriöse Unterkunft und Verpflegung haben, wenn das Programm nicht ansprechend ist und die Liturgie nicht tief geht, dann gehen die Teilnehmer unzufrieden nach Hause.

Das Mittelfeld und die Abwehr halten den Stürmern den Rücken frei und liefern guten Bälle, um diese ins Tor zu versenken. Diese Aufgabe hat das Finanz-, Öffentlichkeitsarbeit- und Logistikteam. Sie machen das, was oft nicht so augenscheinlich ist, aber – wenn es nicht gemacht wurde – extrem fehlt. Sie liefern also wirklich die guten Bälle, welche unsere beiden Stürmer dann ins Tor schießen können.

Mich selbst als Kernteamsprecherin würde ich als Kapitän bezeichnen – den »Lahm« des Kernteams ;-) Denn ich bin diejenige, die versucht zu motivieren, zu intervenieren und zu schlichten, wenn etwas mal schwieriger ist oder es Missverständnisse gibt, und auch diejenige, welche die Mannschaft nach außen repräsentiert. Ins Tor stelle ich die MTA. Wenn alle Stricke reißen, wenn alle anderen einen Ball durchlassen, dann steht sie im Tor und verhindert das Schlimmste. Und den Job des Trainers hat eindeutig Gott inne. Er ist derjenige, der einen Plan vom Spiel hat, den er mit seiner Mannschaft verwirklichen will. Er rennt selbst nicht aufs Feld und schießt ein Tor, greift also in diesem Sinne nichts aktiv ins Geschehen ein, aber Er kann durch seine Anweisungen doch den Spielverlauf beeinflussen.

Trainieren müssen wir alle noch, denn bis zum August steht noch vieles an, was erledigt werden muss. Und trotzdem weiß ich, dass alle Positionen genau mit den richtigen Leuten besetzt sind. Unsere Fans dürfen sich also auf ein interessantes Spiel im August freuen.

(Vielleicht habe ich mich jetzt mit meinen Fußballkenntnissen so richtig blamiert … Hättest du mich nicht einfach die Abseits-Regel erklären lassen können? ;-))

Das Motto lenkt in diesem Jahr den Blick in die Zukunft; die Schönstatt-Bewegung bereitet sich auf ihren 100. Geburtstag vor. Welche Zukunft siehst Du für das Liebesbündnis mit der Gottesmutter?

Um das Liebesbündnis mache ich mir keine Sorgen ;-) Die MTA hat schon immer ihre Werkzeuge berufen und wird das auch weiterhin tun. Und unter uns: Irgendwann kann man gar nicht mehr anders und muss Ja zu ihr sagen. Sie gibt nie auf und probiert so lange, bis sie es geschafft hat. Und man wäre ja auch schön blöd, wenn man die Zukunftsgarantie schlechthin nicht ergreifen würde! Schon Kentenich war überzeugt, dass jemand, der das Liebesbündnis geschlossen hat, nicht verloren geht, sein Leben also das gottgewollte Ziel erreicht.

Aber ganz so einfach ist es eben doch nicht. Nicht alles können wir der MTA überlassen. Denn sie braucht uns. Jeder ist immer wieder neu gefragt, Menschen das Liebesbündnis vorzuleben und sie so zu bewegen, es selbst auszuprobieren. Das Liebesbündnis muss immer wieder in die jeweilige moderne Sprache übersetzt werden. Da ist also jeder gefragt. Insofern liegt die Zukunft des Liebesbündnisses – und damit die Zukunft Schönstatts – in unseren Händen. Packen wir es an!

Die Fragen stellte Johannes Reimann

Link: http://www.nachtdesheiligtums.de/ruckblick/nacht2010/gott-ist-der-trainer-er-hat-den-plan-vom-spiel