Vom Autoschieber zum modernen Paulus

Glaubenszeugnis eines ehemaligen Kriminellen

Torsten Hartung: "Gott lässt sich nicht lumpen"Es ist flüsterleise im großen Festzelt, eine Stimmung, die bei geschätzt 460 Jugendlichen nicht als selbstverständlich gilt. Auf der Bühne steht nur ein Mann – aber er nimmt die Aufmerksamkeit aller Zuhörer gefangen. Es ist Torsten Hartung, er stammt aus Berlin. Was ihn besonders macht: Er erzählt aus seinem Leben, das vor allem an Tiefen wohl kaum zu überbieten ist. Er berichtet von dem Beziehungsgeflecht, in dem er aufgewachsen ist. Ein Vater, der ständig auf ihn einschlägt, eine Mutter, die ihren Selbstmord vortäuscht und Schläge mit Worten verteilt: »Du bist an allem Schuld«, sagt sie zum damals noch Siebenjährigen. Da sei in ihm etwas zerbrochen, sagt Hartung, das Urvertrauen, das Gefühl von Sicherheit. Das weitere Leben hört sich an, wie sich ein schauriger Krimi liest: Erst Außenseiter in der Schule, dann Emanzipation zum stadtbekannten Schläger. Seine »Kompetenz« weckt schließlich die Aufmerksamkeit des organisierten Verbrechens, eine Karriere als Autoschieber beginnt. Doch das ist noch nicht alles.

Es sind solche Sätze wie »Vor Euch steht ein verurteilter Mörder«, die Gänsehaut machen. Aber auch leise Ironie schleicht sich hier und dort dazwischen: »Doch ich würde heute nicht hier stehen, wenn die Geschichte  nicht noch einen zweiten Teil häte, oder?« Denn Torsten Hartung hat den Sprung geschafft, er hat zu Gott gefunden. Schon vor den Jahren im Gefängnis – das weiß er heute – blitzten am Wegesrand immer wieder Zeichen auf: Gott hat etwas mit Dir vor. Im Knast dann Bibel- und vor allem Selbststudium, heute ist er Seelsorger für andere.

Interessierte Fragen aus dem PublikumWie er dort vorne steht und von Gott erzählt, in einer Intensität, die das Publikum nicht gewohnt ist – da hält mancher wirklich den Atem an. Nach seiner Geschichte können die Zuhörer Fragen stellen, und sie nutzen diese Gelegenheit ausgiebig. Ob er seine Vergangenheit ganz allein bewältigen konnte, ohne Therapie; wie jetzt das Verhältnis zu seiner Familie sei; wie man neben Ausbildung oder Beruf und dem sonstigen Alltagsstress Zeit für Gott frei machen könne. »Gott lässt sich nicht lumpen, man muss ihn nur um eine solche Zeit bitten.« Torsten Hartung ist sich seiner und Gottes Sache sicher. Und an diesem Vormittag hat er sicherlich auch den Jugendlichen etwas von seinem unerschütterlichen Vertrauen mitgeben können.

Autor: Redaktion
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