Pater Leo Maasburg – glaubwürdiges Zeugnis

Samstag, 27. August 2011. Bei der “Nacht des Heiligtums” wird auch der Tag genutzt. Es geht um das Thema “Glaubwürdigkeit”. Es ist 11:15 Uhr, die einzelnen Gruppen kommen gerade wieder in die Aula der Anbetungskirche. Die Gruppenarbeiten  zum Motto „Glaubwürdigkeit“ waren intensiv. Gleich kommt unser Gast Pater Leo Maasburg (Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke Österreichs), der vom Leben einer besonders glaubwürdigen Frau, Mutter Teresa, erzählen wird. Wir sind gespannt. Auf die Frage, was man mit Glaubwürdigkeit alles bewegen könne, erscheint ein Bild Mutter Teresas.

Begrüßt wird Pater Leo von Alessandro Contini und Theresia Strunk, die das Gespräch mit ihm führen. Leo Maasburg wird als „Zigeuner“ vorgestellt. Er sagt von sich selbst, dass er sich als solcher verstehe. Einer, der überall und nirgends zu Hause sei, sich allerdings schnell in einer neuen Umgebung heimisch fühle. Hier in Schönstatt fühle er sich auch schon wie zu Hause. Von Gott scheine er wohl zum Reisen ausgewählt worden zu sein. Auf vielen Reisen und über Jahre hinweg begleitete Pater Leo Mutter Theresa.

Bevor er die Frage “Was ist für Sie glaubwürdig?” beantworten kann, definiert Pater Leo Glaubwürdigkeit als etwas Äußeres und etwas Inneres. Wichtig sei die innere Glaubwürdigkeit; sich selbst dürfe man nie belügen. Das eigene Denken und Tun müsse übereinstimmen. Und Berufung sei, dass ich mit dem Weg, den Gott für mich geplant hat, übereinstimme. Mutter Teresa pflegte den Satz zu sagen, dass Gott sie nicht zum Erfolg, sondern zur Treue berufen habe.

Um innerlich glaubwürdig zu sein, bedürfe es der Stille. Es sei zwar wichtig, lebendig und engagiert zu sein, aber herausfordernd, den Schalter von Aktivität in Kontemplation umlegen zu können, ruhig zu werden und auf Gott zu hören, der in die Stille des Herzens spreche. Das Geheimnis von Mutter Teresas Glaubwürdigkeit liege in ihrer Authentizität. Sie habe in Harmonie zu ihrer Berufung gestanden.

Der Einsatz für die Ärmsten der Armen sei sozusagen ihre zweite Berufung gewesen. Zwanzig Jahre lang war Mutter Teresa bereits eine einfache Ordensfrau gewesen, bis Jesus sie im Jahr 1946 in einer Vision ansprach. Die Aufgabe, sich in den Dienst der Ärmsten der Armen zu stellen, nahm sie nach einer Zeit des Ringens frei an. Christus habe Mutter Teresa die Worte “Mich dürstet” ins Herz gebrannt. Doch wonach dürstet Jesus? Es sei die Sehnsucht des Schöpfers nach seiner Kreatur, der Durst nach Liebe. Doch Liebe lasse sich nicht erzwingen, sondern nur in Freiheit annehmen und wiedergeben.

Durch ihre Arbeit mit den Ärmsten der Armen, die in den Gossen Kalkuttas aufgelesen wurden, habe Mutter Teresa Antwort auf die Frage gegeben, wo sie den Durst nach Liebe stillen könne. Alles, was man den Geringsten getan habe, habe man Christus getan. “You did it to me”! Jesus Christus sei so wie in der Eucharistie auch in den ärmsten Menschen gegenwärtig. Eine junge Frau, die mit den Schwestern in Kalkutta arbeitete, sagte, dass Jesus sie in und mit den Augen des Sterbenden angeschaut habe. Durch dieses Erlebnis habe sie ihre Berufung erfahren.

Durch liebevolle Pflege habe Mutter Teresa den Menschen, die zu ihr kamen, die Würde der Gotteskindschaft wiedergeben wollen. “Kalkutta ist überall”, habe Mutter Teresa immer wieder gesagt. Armut sei umfassender als die rein physische Armut. Überall gebe es “arme” Menschen, die unserer Hilfe bedürfen, selbst in der eigenen Familie. Jeder solle in seinem Bereich wirken und ein durchlässiger Kanal Gottes sein, damit die Menschen Gottes Liebe erfahren.

Kraft tankte Mutter Teresa im Gebet, in der Stille, im Gespräch mit Gott. Diese Zeit sei besonders wichtig, um sich mit ganzer Hingabe seiner Aufgabe zu widmen, ohne “auszubrennen”. Ein schier grenzenloses Vertrauen in das göttliche Wirken und die Wegbegleitung der Mutter Maria hatte Mutter Teresa, obwohl sie eine lange Zeit der Gottesferne durchzustehen hatte. Das Gebet habe sie auch durch diese Zeit hindurch getragen.

Aus Stille werde Gebet, aus Gebet werde Glaube, aus Glaube werde Liebe, aus Liebe werde Dienst und aus Dienst werde Frieden. Diese Worte, die  in Form eines Gebetes auf ihrer “Visitenkarte” gedruckt sind, stehen für Mutter Teresas (Glaubens-)Auffassung und können uns auch Wegweiser sein, immer wieder in die Stille unseres Herzens zu hören, um unseren Weg zu gehen.

Als kleinen Tipp für ein glaubwürdiges Leben hat Pater Leo den rund 600 gespannten Zuhörern mit auf den Weg gegeben, dass man nur glaubwürdig nach außen auftreten kann, wenn man im Inneren glaubwürdig ist. Eine innere Glaubwürdigkeit könne sich, so Pater Leo, nur durch das ständige Gebet einstellen. Schwer beeindruckt von diesen ergreifenden Impulsen bedankten sich die Teilnehmer mit einem grandiosen Applaus.

Autor: Marina Gabel
Link: http://www.nachtdesheiligtums.de/ruckblick/nacht2011/pater-leo-maasburg-glaubwurdiges-zeugnis